Klang-Puristen mögen erschaudern bei der Vorstellung, der Originalfassung für Pianoforte von Franz Schuberts (1797-1828) Winterreise musikalisch und choreografisch etwas hinzuzufügen. Doch die Inszenierung mit dem Tanz-Theater Münster unter der Leitung von Hans Henning Paar holt auf der Grundlage der Komposition von Hans Zender auch die gesellschaftlichen und politischen Bezüge des Liederzyklus in die Gegenwart.
Knirrschende Schritte im Schnee, pfeifende Windböen oder klirrendes Eis – Hans Zender macht in seiner Winterreise von 1993 die raue Grundstimmung von Schuberts musikalischen Figuren auch für unsere Ohren hörbar.
Peter Sloterdijk, alternder Philosoph des Zeitgeistes, hat sich in der Neuen Zürcher Zeitung zu den Charakteristika eines zynischen Bewusstseins im 21. Jahrhundert geäußert. 35 Jahre nach seinem noch immer lesenswerten Bestseller Kritik der zynischen Vernunft schürt er nun die Angst vor einem „zynischen Obskurantismus“, der den Westen zu überrollen drohe.
Ein befreundeter Oberstudienrat beklagte kürzlich, dass er seine Schüler laut offiziellem Benotungssystem bereits mit zwei Punkten belohnen müsse, wenn sie willens und in der Lage seien, ihre Arbeiten korrekt zu nummerieren und zu signieren. Ein Regelwerk für Rechtschreibung lerne keiner seiner Schüler mehr. Kulturpessimismus hin oder her: Wozu sich noch um Regeln scheren, wenn ohnehin erlaubt ist, was gefällt?
MS Alaaf, sagte die mit Laub getarnte Asphaltzunge und zog sich diskret zurück. Der linke Fuß kippt ins Leere, das Sprungbein schnellt nach vorn und reißt den Körperschwerpunkt nach rechts. Der nächste Tritt findet keinen Halt mehr, das Bein sackt weg und der rechte Oberarm prallt in Spurtgeschwindigkeit auf den Asphalt.
Man nehme eine Kirche mit ausreichend hoher Vierungskuppel, einen der bestbezahlten zeitgenössischen Künstler, ein Quantum Naturwissenschaft und fertig ist die Sensation: Gerhard Richter schenkt der Stadt Münster ein Kunstwerk. Wissenschaftliches Experiment beweist die Erdrotation. Die Inquisition entlässt ihre Kinder. Erkenntnis in geschlossenen Systemen – Gerhard Richter in Münster weiterlesen →
Debugging life: Einmal den Programmablauf am Breakpoint anhalten und ein paar Variablen korrigieren … Wird der überraschend heimgekehrte Ehemann den nur notdürftig unter einem Tischtuch versteckten Liebhaber seiner Frau entdecken? Ein paar Sequenzen bis zur entscheidenden Szene zurückspulen und noch einmal inszenieren …
John Berger, Und unserer Gesichter, mein Herz, vergänglich wie Fotos, Carl Hanser Verlag, München/Wien 1986.
„Vielleicht ist der Flieder die Blume, die auf die üppigste Weise weiblich ist“, schreibt John Berger (1926 – 2017) in „Und unsere Gesichter, mein Herz, vergänglich wie Fotos“. Und: „Der Fliederduft, hast du einmal gesagt, ist vom Geruch der Kühe im Stall nicht so weit entfernt. Beide sind Gerüche des Friedens und des Zauderns.“ Der Trost von Flieder und von Kalziumphosphat weiterlesen →
Da steht er in des Fährmanns Kahn,
nackt wie er ist in seinem Wahn,
den trüben Blick nach vorn gerichtet,
dem Heldenmythos streng verpflichtet.
Poussiert mit seiner Männlichkeit,
wo ist sie hin, die HERRlichkeit? Götterdämmerung weiterlesen →